Wie kann man als Endverbraucher abgelaufene oder unverbrauchte Medikamente umweltbewusst entsorgen?

Medikamente können zur allgemeinen Gesundheit beitragen und sogar Leben retten. Sie können aber auch zum Nachteil für Mensch und Umwelt werden, wenn sie in zu großen Mengen eingesetzt werden oder unsachgemäß entsorgt werden. Geraten sie in den Wasserkreislauf, ist unsere Gesundheit unmittelbar bedroht.


Obwohl vom Bundesumweltamt die Konzentrationen von Medikamentenwirkstoffen im Trinkwasser noch immer nicht als besorgniserregend eingestuft werden, schlagen Umweltforscher seit langem Alarm. Die Wirkung des sich langsam anreichernden Medikamenten-Cocktails in Gewässern weltweit sei ihrer Meinung nach völlig unkalkulierbar. Erst kürzlich bestätigte dies auch der amerikanische Krebsausschuss von US-Präsident Barack Obama.

Verursacher der Umweltverschmutzung durch Arzneimittelrückstände sind vor allem Pharmakonzerne, Krankenhäuser und Verbraucher, die Medikamente unsachgemäß über die Kanalisation entsorgen. Eine Umfrage unter Konsumenten im Jahr 2008 offenbarte: Jeder sechste wirft alte oder nicht mehr benötigte Tabletten – zumindest gelegentlich – in die Toilette. Und jeder zweite Befragte schüttet flüssige Arzneimittel, die nicht mehr benötigt werden, ins Wachbecken oder in die Toilette. Dabei kontaminieren Medikamente unser Trinkwasser, wenn sie über den Abfluss ins Abwasser geraten: Durch Antibiotika bilden sich beispielsweise resistente Keime; Hormonpräparate wie die Anti-Baby-Pille führen dazu, dass das die Fruchtbarkeit von Mensch und Tier langfristig schwindet.

Seit die Entsorgung von Medikamenten für Endverbraucher seit Ende Mai 2009 nicht mehr von der Pharmaindustrie finanziert wird, warnen Experten vor einer Verschlimmerung der Situation! Denn bis dahin lief die Entsorgung über ein geordnetes Sammelsystem, an das die Apotheken angeschlossen waren.

Hier nun ein paar Tipps, wie man als Endverbraucher abgelaufene oder unverbrauchte Medikamente heute trotzdem umweltbewusst entsorgen kann. Sofern der Beipackzettel eines Arzneimittels keine speziellen Hinweise für die Entsorgung enthält, gelten folgende Grundsätze:

  • Altmedikamente gehören zum sogenannten „Siedlungsabfall“ und können daher bedenkenlos in den Hausmüll gegeben werden. Die Entsorgung von Altmedikamenten im Hausmüll gilt entgegen der weitverbreiteten Meinung als denkbar sicherster Weg. Seit dem 1. Juni 2005 wird in Deutschland der Siedlungsabfall nämlich zuerst in Müllverbrennungsanlagen verbrannt oder mechanisch-biologisch vorbehandelt, bevor er endgültig in Deponien gelagert wird. Durch Verbrennung oder Vorbehandlung werden die Schadstoffe in Altmedikamenten weitgehend zerstört oder inaktiviert. Die danach noch vorhandenen Medikamentenreste stellen bei der Deponierung keine Gefahr für das Grundwasser dar, da aufwendige Deponieabdichtungssysteme und Sickerwassererfassungen dafür sorgen, dass die Schadstoffe nicht ins Grundwasser gelangen können – im Unterschied zu früher, als der Müll noch auf Deponien zwischengelagert wurde. Da sickerten die Wirkstoffe ins Grundwasser – und das war natürlich schlecht.
  • Als besonders wichtig für eine umweltbewusste Entsorgung von Altarzneimitteln ist vor allem, dass diese nicht über die Toilette oder das Waschbecken entsorgt werden. Denn dadurch wird der Wasserkreislauf unnötig belastet. Daher sollte auch auf das Ausspülen von Glasbehältern, in denen sich Arzneimittelreste befinden, verzichtet werden.
  • Noch immer bieten manche Apotheken eine Rücknahme von Arzneien als freiwillige Serviceleistung an, obwohl sie rechtlich nicht dazu nicht mehr dazu verpflichtet sind. Überdies hinaus sehen viele Städte und Gemeinden neben der Hausmüllentsorgung weitere Möglichkeiten für eine Entsorgung von Altarzneimitteln vor: z. B. „Medi-Tonnen“, Schadstoffsammelstellen und Schadstoffmobile. Auskünfte hierzu erhalten Sie von Ihrer Gemeinde.
  • Viele Entsorgungsbetriebe empfehlen, die Tabletten oder Flaschen aus der Verpackung herauszunehmen und in nasses Zeitungspapier einzuwickeln, bevor sie in den Müll wandern. Dies soll davon abhalten, im Müll herumzuwühlen. Gleichzeitig lassen sich die Tabletten auf diese Weise gut verstecken. Natürlich sei es auch sinnvoll, die Medikamente erst kurz vor der Abholung in den Müll zu geben.
  • Empfehlenswert ist auch, eine Liste über den persönlichen Medikamentenbestand zu führen. Im Krankheitsfall nehmen sie diese dann einfach mit zu Ihrem Hausarzt. Unnötige Verschreibungen lassen sich auf diese Weise vermeiden.
  • Sprechen sie Ihren Arzt auf die Umweltproblematik durch Medikamente an. Falls er eine Behandlung mit Medikamenten nicht ausschließen kann, fragen sie nach einem Rezept für umweltfreundliche oder pflanzliche Produkte. Geben Sie auch auf eine dem tatsächlichen Bedarf angepasste Packungsgröße acht.

Auch wenn diese Ratschläge einen Mehraufwand für jeden Einzelnen bedeuten, helfen sie dabei, unsere natürliche Lebensgrundlage auch für zukünftige Generationen zu erhalten. Soviel sollte man sich Werte sein – auch im Sinne der Anderen.

 

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