Die Zerstörung des Ursprungs allen Lebens
Thursday, 21. January 2010 -

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Es ist der Ursprung allen Lebens. Wasser bedeckt 75 Prozent der gesamten Erdoberfläche und sogar der Mensch besteht zu über 70 Prozent aus Wasser. Die Existenz von Mensch, Tier und Pflanze ist von dieser wertvollen Flüssigkeit abhängig. Doch dies hat den Menschen nicht davon abgehalten, den kostbaren Quell allen Lebens über Jahrhunderte hinweg zu zerstören. Nur noch vier Prozent aller Weltmeere sind dem sogenannten „Atlas der Zerstörung“ zufolge frei von menschlichen Einflüssen.

Der „Atlas der Zerstörung“ wurde 2008 von amerikanischen Forschern unter Leitung von Benjamin Halpern von der University of California zum Schutze der Meere erstellt. Er zeigt ein erschreckendes Bild: Für Jeden Quadratmeter Meer verzeichnen die Wissenschaftler den Einfluss von 17 menschlichen Aktivitäten. Nur noch kleine Bereiche sind von negativen Auswirkungen bisher verschont geblieben.

Kläranlagen verunreinigen Meere
Wasserverschmutzung war bereits in Zeiten der Vorindustrialisierung von aktueller Thematik. Die Einführung der Toilette und neuer Abwassersysteme im 19. Jahrhundert verschafften zwar geordnete Verhältnisse auf den Straßen, die Fäkalien wurden jedoch durch Rohre direkt in die Flüsse geleitet, was mitunter für die Verbreitung von Seuchen verantwortlich war. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Trennung von Trink- und Abwasser und Ende des Jahrhunderts wurden die ersten Kläranlagen ins Leben gerufen. Dennoch fließen auch heute noch Unmengen an ungeklärten Abwässern und Fäkalien in die Meere. Das Mittelmeer ist beispielsweise mit Fäkalien von etwa 75 Millionen Menschen belastet. In den Dritte Welt Ländern verfügt außerdem weltweit immer noch die Hälfte der Stadtbevölkerung über keine Abwasserreinigung und die Gewässer sind auch durch die veralteten Technologien einer starken Belastung ausgesetzt.

Durch Kläranlagen gelangen zudem Schwermetalle und andere giftige Substanzen sowie Bakterien und Viren in die Meere, denn der giftige Klärschlamm wird in diese abgeladen.

Schadstoffe im Wasser
Immense Belastungen der Gewässer entstehen durch Industrien. Sie lassen Schwermetalle, Salze und Chemikalien als auch Phosphor und Stickstoff gelangen durch ihre Abwässer in die Ozeane ab.
Ebenso beeinträchtigt der durch Luftverschmutzung entstehende saure Regen die Qualität der Gewässer: Die Meere versauern.

Auch der Landwirtschaft ist ein großer Anteil an Luftverschmutzung zuzuschreiben. Die Verwendung von Kunstdünger, wie es seit den 1940er Jahren zunehmend üblich ist, führt dazu, dass mit den Abflüssen aus Feldern und Weiden große Mengen Phosphor und Stickstoff die Gewässer verunreinigen. Dies trägt ebenfalls zu deren Versauerung bei. Zudem werden sie durch die in der Landwirtschaft verwendeten Pestizide belastet.

Schwimmender Müll
Ein weiteres Problem sind die Unmengen Müll, die der Mensch produziert. Müllverbrennungsanlagen vergiften das Grundwasser und das Wasser in den Flüssen der Umgebung. Durch die Flüsse werden die Giftstoffe in die Meere weitergeleitet. Zudem zersetzt sich achtlos weggeworfener Müll in den Ozeanen in kleinere Partikel, an welchen sich Schadstoffe anlagern. Dieser Müll stammt zu 80 Prozent vom Land und zu 20 Prozent von Schiffen und Bohrinseln.

Ölverpestung der Gewässer
Um den Bedarf an Benzin- und Dieselkraftstoffen, Heizöl und Plastik zu decken, leiden ebenfalls die Gewässer. Über 6000 Tanker sind täglich für die Ölversorgung unterwegs. Beim Transport des Rohöls setzt sich Ölschlamm in den Tanks ab. Um die leeren Tanks zu reinigen, wird hier Seewasser hineingelassen. Dieses wird zusammen mit dem dadurch aufgewirbeltem Ölschlamm schließlich wieder in das Meer abgelassen.

Immer wieder machen auch Tankunfälle Schlagzeilen. Hier sind in erster Linie die Seevögel Opfer, deren Gefieder durch das Öl verkleben, so dass sie einen qualvollen Tod sterben. Weiterhin sickert der Ölteppich an der Küste in Sand und Kies. Werden solche Strände nicht gereinigt, bleibt über Jahrzehnte eine schleichende Vergiftung bestehen.
Zu fünf Prozent gelangt Öl aufgrund von Tankerunglücken in die Ozeane, zu zehn Prozent aus natürlichen Quellen und die restlichen 85 Prozent werden aus Flüssen in die Ozeane gespült.

Umweltbelastende Einflüsse durch Ozeanriesen und Klimawandel
Auch der allgemeine Schiffsverkehr trägt zur Verschmutzung der Meere in enormem Ausmaße bei. Die Ozeanriesen verbrennen Schweröl mit hohem Schwefelanteil. Alleine in Europa sind Schiffe für die Hälfte der Schwefelemissionen in den Gewässern verantwortlich. Zudem gefährden sie die Artenvielfalt. Es kann vorkommen, dass Schiffe Arten verschleppen, welche aufgrund der veränderten Lebensbedingungen am Zielort in den meisten Fällen letztendlich zugrunde gehen.

Zuletzt spüren die Gewässer die Folgen des Klimawandels. So sorgt die Temperaturerhöhung der Ozeane für eine Erhöhung des Meeresspiegels. Dadurch werden die Küstenlebensräume bedroht. Lebensräume werden verschoben oder gefährdet. Vor allem die Korallenriffe sind von den Auswirkungen der Temperaturerhöhung betroffen. Bereits mehr als die Hälfte aller Korallenriffe sind extrem beschädigt und aufgrund ihres langsamen Wachstums können diese Verluste kaum mehr behoben werden.

Es gibt genügend erste Schritte, mit denen der Mensch zur Besserung dieser Situation beitragen könnte. Strikte Maßnahmen für Landwirtschaft, Industrien, Kläranlagen und Schiffsverkehr sind dabei unumgänglich. Doch auch jeder Einzelne kann mit einer umweltbewussten Denk- und Lebensweise seine eigenen kleinen Beiträge zur Einschränkung der Wasserverschmutzung leisten.

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