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Jedes Jahr sorgen aus der Welt der Ozeane Walstrandungen für Schlagzeilen in den Medien und stellen Forscher und Naturschützer mit Rettungsaktionen vor große Herausforderungen. Was die Ursachen anbelangt steht die Wissenschaft noch vor einem ungelösten Rätsel, doch Eines scheint sicher: Der Mensch trägt die Schuld.
40 Ursachen für Walstrandungen
Wale haben ein faszinierendes Navigationssystem und können sich bei ihren über tausende Kilometer langen Wanderungen zielsicher durch die Weiten des Meeres orientieren. Umso rätselhafter ist das Phänomen, dass sie gelegentlich in kleine Buchten schwimmen und dort in den flachen Gewässern stranden. Hier sterben sie in den meisten Fällen trotz engagierter Rettungsaktionen von Natur- und Umweltschützern einen qualvollen Tod.
Wale stranden an Küsten in Europa, Südamerika, Australien und Neuseeland. Oft schwimmen sie in Gruppen von bis zu 100 Tieren in die flachen Buchten. Es gibt diverse unterschiedliche Faktoren, welche für die Walstrandungen verantwortlich sein könnten: Die Verschmutzung der Meere mit Rohöl, Schwermetallen und anderen Schadstoffen, der tägliche Lärm von Schiffsverkehr, Ölbohrungen und akustischen Waffen des Militärs oder auch Schwankungen im Magnetfeld der Erde könnten der Grund sein, dass sich die Meeresgiganten in ihrer Heimat nicht mehr zurecht finden. Bisher stießen Forscher auf über 40 unterschiedliche Ursachen, die eine Rolle bezüglich der Strandungen spielen könnten.
Lärmpegel stört den natürlichen Kompass
Aufgrund der präzisen Navigation der Wale gehen Forscher davon aus, dass die Tiere ihre Reiserouten mit einem Kompass ausrichten. Sie nehmen an, dass sich die Meeresgiganten an dem Magnetfeld der Erde orientieren können. Verändert sich dieses nun, so würden die Wale es in diesem Fall auch spüren. Mit ihren hochsensiblen Hautzellen nehmen die Meeressäugetiere jede kleinste Erderschütterung und Veränderung in der Wassertemperatur wahr. Auf diese Weise können sie Wetter- und Jahreszeiten einschätzen und vor allem auch Luft- und Wasserströmungen erkennen. Wale verfügen über ein ausgeprägtes Hörvermögen und tasten die Umgebung mit einem Sonar ab.
Aus diesem Grund leiden die Meeresgiganten vor allem unter den angestiegenen Lärmpegel, bei dem ebenfalls der Mensch seine Finger im Spiel hat, in negativster Weise. Der Schall unter Wasser ist viermal schneller und 60-mal weiter als in der Luft und somit sind Geräusche die reichhaltigste Informationsquelle in den Ozeanen. Weil Wale extrem hohe Frequenzen wahrnehmen können, liegen ihre Ohren geschützt im Inneren des massigen Körpers.
Die lauten Schiffsmotoren, das hoch entwickelte Echolot der Marine, Bohrinseln und andere fremde Geräusche stören nun das Navigationssystem der Wale. Ihre Kommunikation und der Beutefang sind beeinträchtigt.
Kurz nach Militärsonartests treten auch häufig artübergreifende Strandungen von Walen und Delphinen auf. Hier wurde festgestellt, dass die gestrandeten Tiere Verletzungen in verschiedenen Organen aufwiesen, die auf hohe Druckeinwirkungen wie beispielsweise Schalldruck zurückgeführt werden können.
Krankheitsbedingte Orientierungsschwäche
In einigen Fällen konnte bewiesen werden, dass Krankheiten zu einer Orientierungsschwäche der Wale führten. Diese können unter anderem auf die Verschmutzung der Ozeane durch den Menschen zurückgeführt werden. Aufgrund von Industrien, Kläranlagen und anderen Müllablässen ins Meer sind in den Gewässern giftige Substanzen wie beispielsweise Schwermetalle enthalten. Diese Giftstoffe nehmen die Wale bei ihrer Nahrungsaufnahme zu sich. Sie lagern sich in ihren Körpern ab und beeinträchtigen viele Körperfunktionen. Infolge dessen leiden die Meeressäugetiere unter einem geschwächten Immunsystem und sind daher anfälliger für Krankheiten.
Es gibt Annahmen, dass die Herden einem kranken oder verletzten Leittier folgen, dessen Orientierungssinn aufgrund der Krankheit gestört ist. Wenn dieses Leittier nun krankheitsbedingt orientierungslos umherirrt oder den Freitod auf einer Sandbank sucht, folgt die Herde diesem, um ihm zu helfen. Dabei schwimmen sie in ihr eigenes Verderben. Dies könnte vor allem bei natürlichen Erkrankungen der Organe, Parasitenbefall der Gehörgänge oder einer Vergiftung durch Mikroalgen der Fall sein. Auch für Einzelstrandungen werden Verletzungen, Krankheit oder Desorientierung als Ursache genannt.
Bedrohung durch Fischfang
Große Gefahr für die blauen Giganten stellt zudem der intensive Fischfang dar. Jährlich sterben Tausende Wale und Delphine als so genannter „Beifang“. Sie verfangen sich in den ausgeteilten Schleppnetzen. Da sie sich selbst nicht befreien können, sterben die Luftatmenden Säugetiere einen qualvollen Tod.
Wie kann der Mensch helfen?
Es ist offensichtlich, dass für die Ursachen der Strandungen in den meisten Fällen der Mensch verantwortlich ist. Durch Umweltbelastungen und seine Welt modernster Technologien ist er nicht nur selbst auf dem besten Wege, sein eigenes Grab zu schaufeln, sondern gefährdet auch in großem Ausmaße die Pflanzen- und Tierwelt.
Somit gilt es, nicht nur zum Schutze der Wale, sondern zur allgemeinen Bewahrung und Rettung der Artenvielfalt auf eine umweltbewusstere Lebensweise umzuschalten. Gewiss liegt es nicht in der Macht des Einzelnen, Einfluss auf den Schiffsverkehr oder die Arbeit auf Bohrinseln zu nehmen. Doch auf die Reinhaltung des Wasser zu achten und eine bedachtere Lebensweise sollte für Niemanden eine überaus große Herausforderung stellen.
ipp:
In dem Buch „Ocean Warrior. Mein Kreuzzug gegen das sinnlose Schlachten der Wale“ berichtet Kapitän Paul Watson über seinen Einsatz zur Rettung von Walen und Delphinen. Watson war Mitbegründer von Greenpeace und rief später die "Sea Shepherd Society" ins Leben. Der Kapitän gilt als einer der radikalsten Tierschützer der Welt.