Gift, Gene und Manipulation – Nur Verbot schützt
Tuesday, 16. March 2010 -

Daniel Bujack © www.fotolia.com

Die Natur hat uns mit ihrer Pflanzenwelt zwar reichlich beschenkt, doch in seinem Bestreben, seine Umwelt zu „verbessern“, greift der Mensch stetig in die natürlichen Vorgänge der Natur ein. In der Landwirtschaft ist dabei eine möglichst hohe Steigerung der Erträge das Ziel. Ein Richtungspunkt, der gentechnisch veränderten Pflanzen die Ausbreitung auf dem Weltmarkt ermöglichte.

Großkonzerne erstürmen Weltmarkt
Gentechnisch veränderte Pflanzen wurden erstmals 1996 in den USA ausgesät. Die Landwirte werden weltweit von den großen Agrochemiekonzerne Monsanto, Bayer, Syngenta und Hi-Bred (DuPont) und Mycogen Seeds (Dow AgroSciences) mit gentechnisch veränderten Sorten beliefert. Insbesondere die herbizid- und schädlingsresistenten Raps-, Mais, Soja-, Zuckerrüben und Baumwollsorten werden von der Landwirtschaft angebaut. Die Konzerne preisen an, dass mit diesen manipulierten Pflanzen der Einsatz von chemikalischen Pflanzenschutzmitteln verringert wird. Umwelt- und Naturschutzorganisationen, wie beispielsweise der Naturschutzbund (NABU) plädieren hingegen für ein Verbot der Pflanzen. Sie weisen daraufhin, dass eventuelle langzeitliche Folgeschäden des Anbaus auf den menschlichen Organismus und die biologische Vielfalt noch zu wenig erforscht wurden. Aufgrund solcher Unsicherheit sprechen sie sich für ein Verbot aus.

Auf dem europäischen Markt konnte sich bisher nur eine einzige Pflanze verbreiten: der Genmais. Dessen Anbau ist derzeit in Deutschland verboten. Die schwarz-gelbe Regierungskoalition kam überein, dass die weitere Entscheidung über einen Anbau in Deutschland den Gerichten überlassen wird. Ob sich das Verbot dieser gentechnisch veränderten Pflanze daher auch in diesem Jahr noch behaupten kann, bleibt abzuwarten.

Wozu gibt es Genmais?
Als Genmais wird der gentechnisch veränderte Bt-Mais bezeichnet. Dieser wird mit dem insektiziden Stoff Bt-Toxin gebildet. In den Mais wird ein Gen übertragen, dass aus dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis stammt. Daraus entstand die Abkürzung Bt. Es wird in der Landwirtschaft gerne als biologisches Pflanzenschutzmittel eingesetzt, da es im Gegensatz zu den meisten chemischen Insektiziden laut wissenschaftlicher Studien nicht schädlich sei.

Bt-Mais-Sorten sind in der Landwirtschaft insbesondere aufgrund ihrer Resistenz gegen den Maiszünsler beliebt. Jährlich verursacht der Schmetterling immense wirtschaftliche Schäden, weil sich seine Larven durch den Stängel fressen. Die geschwächte Pflanze droht dadurch leicht umzuknicken. In Deutschland entsteht durch den Maiszünsler jährlich ein Schaden in der Höhe von etwa elf bis zwölf Millionen.

Bt-Mais erspart den Landwirten mit seiner Resistenz gegen den Schädling somit einerseits die Eintragsbussen in Folge von geschädigten Pflanzen und andererseits Arbeitszeit und Kosten, da der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht mehr notwendig ist. Bt-Mais ist außerdem weniger von Giftpilzen belastet.

Vorschriften in der Europäischen Union
Im vergangenen Jahr wurden in der europäischen Union zwölf Linien Genmais als Futter- und Lebensmittel zugelassen. Die zwei Sorten MON810 und T25 sind für den Anbau genehmigt.
Der Bt-Mais der Linie MON810 des US-amerikanischen Agrarkonzern Monsanto, ist einer der weltweit am häufigsten verwendeten Sorten. Er wurde 1998 erstmals in der EU zugelassen. Mit der dabei in der Freisetzungsrichtlinie enthaltene „Schutzklausel“ ist der Anbau von MON810 in einigen Ländern verboten. In Deutschland, Frankreich, Griechenland, Österreich, Ungarn und Luxemburg ist der Anbau von MON810 derzeit untersagt. Es ist in der EU zudem Vorschrift, gentechnisch veränderten Mais in Lebensmitteln kenntlich zu machen, beispielsweise mit einem Hinweis auf den Verpackungen.

Wissenschaftliche Studien und Experimente
Zahlreiche wissenschaftliche Studien und Experimente setzen sich mit der Frage nach eventuellen Auswirkungen auf die Gesundheit von Genmais auseinander. Die Resultate gehen auseinander: Während einige Studien negative Folgen feststellen, beharren andere auf dem Standpunkt, Genmais sei ungefährlich.

Im April vergangenen Jahres stellte die Technische Universität München beispielsweise die Ergebnisse einer Fütterungsstudie mit der Maissorte MON180 vor. Die Studie wurde bereits mit dem Ziel angelegt, nachzuweisen, dass dieser Genmais keine gesundheitlichen Gefahren für Milchkühe birgt. Vertreter von Greenpeace kritisieren allerdings, dass es erhebliche Defizite in der Konzeption und der Durchführung der Studie gegeben habe. Unter anderem seien Kühe ausgewechselt worden und die Testmethoden seien nicht – wie im Normalfall üblich – von anderen Laboren überprüft wordenLaut Greenpeace können aus ihr daher keine abschließenden Erkenntnisse über die Risiken des Gen-Maises gewonnen werden.

Die Umweltorganisation weist zudem auf eine Studie von französischen Wissenschaftlern der Universitäten Caen und Rouen aus dem Jahr 2007 hin. Hier wurden negative gesundheitliche Auswirkungen von den drei Genmaissorten MON810, MON863 und NK603 der Firma Monsanto festgestellt. Die Fütterungsstudie wurde an Ratten durchgeführt und die Forscher beobachteten erhebliche Veränderungen in den Blutwerten für Leber und Nieren. Greenpeace ließ diese Daten per Gerichtsbeschluss veröffentlichen und forderte die Bundesregierung dazu auf, ein Importverbot in der EU durchzusetzen sowie den Anbau zu stoppen.

Bereits zuvor hatte der französische Biologe Professor Eric Séralini und sein Forscherteam des Komitees für Forschung und unabhängige Information zu Gentecknik (CRIIGEN) in einer Fütterungsstudie gesundheitliche Risiken der Maissorte MON863 feststellen können. Die Studie wies auch darauf hin, dass die zwei Sorten NK603 und MON810 nicht als unbedenklich betrachtet werden könnten. Ihre Auswertungen von Fütterungsstudien aus den Jahren 2005 und 2006 endeten mit dem Resultat, dass die gefütterten Ratten an Organschäden litten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erklärte, diese Sorten stellen keine Risiken für Umwelt und Gesundheit dar. Greenpeace fordert hier eine Verschärfung der Prüfrichtlinien und eine neue Bewertung der Risiken.

Monsanto bestritt die Glaubwürdigkeit dieser Studie. Die französischen Wissenschaftler hingegen betonen ebenso wie Greenpeace Mängel in der Konzeption und Durchführung von Monsanto-Studien. Statistische und internationale Standards seien bei Fütterungsstudien nicht eingehalten worden.

Verbot des umstrittenen Gen-Mais
Infolge von Aktivitäten von Umwelt- und Wirtschaftsorganisationen, darunter auch die Max-Planck-Gesellschaft, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Fraunhofer Gesellschaft, wurde am 5. Mai 2009 ein Anbauverbot der Maissorten des Herstellers Monsanto ausgesprochen.

Die Zentrale Kommission für die Biologische Sicherheit veröffentlichte beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BV) im Juli 2009 allerdings ihre Risikobewertung von MON180 und stellte dabei heraus, dass es keine schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt gebe.

Die Uneinigkeiten in den Studien zeigen, ein Gesundheitsrisiko der gentechnisch veränderten Maissorten bisher keineswegs ausgeschlossen werden kann. Dass der Konzern Monsanto an gegenteiligen Aussagen bemüht ist, ist aus wirtschaftlichen Gründen nur allzu selbstverständlich. Somit wird seine Glaubwürdigkeit in Frage gestellt.

Aufgrund dieser Unsicherheit bezüglich der gesundheitlichen Auswirkungen von Genmais sollte von Umwelt- und Naturschutzorganisationen, Politikern und Bürgern aktiver Einsatz für eine weitere Durchsetzung des Verbots gezeigt werden.

ipp

Der bei ARTE veröffentlichte Film „Monsanto – Mit Gift und Genen“ von Regisseurin Marie-Monique Robin dokumentiert die Geschichte des heute mächtigsten Samenherstellers der Welt. Robin recherchierte drei Jahre lang in Nord- und Südamerika, in Europa, Asien und sprach mit Bauern in Indien, Mexiko und Paraguay. Geschädigte, Wissenschaftler, Vertreter von Bürgerinitiativen, Rechtsanwälte und Politiker nehmen in dem Film Stellung. Dabei entstehen tiefe Risse in dem von Werbekampagnen aufgebauten Image des sauberen und umweltfreundlichen Konzerns. Robin geht der Frage nach: „Dürfen Grundlebensmittel und ihr Anbau Ziel einer gnadenlos nach Monopol und Marktführerschaft strebenden Unternehmenspolitik sein?

 

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