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Wie kommen schrottreife Computer, ausgediente Handys, alte Videorekorder und sonstiger als Sondermüll zu deklarierender Elektroschrott nach Ghana – und vor allem warum? Offiziell handeltes sich um Entwicklungshilfe, mit der die „IT-Kluft” zu den Entwicklungsländern geschlossen werden soll. Tatsächlich laden Europa, Japan und die USA unter dem Deckmantel der „digitalen Entwicklungshilfe” auf clevere Weise ihren Elektroschrott bei den Ärmsten der Armen ab. Rücksichtslos wird die Gesundheit der Menschen und die gesamte Umwelt mit Füßen getreten.
Wenn wir am Wochenende unsere alten Elektrogeräte in der Mülldeponie in dem eigens dafür vorgesehenen Container entsorgen, schaffen wir nicht nur Platz zu Hause, sondern wir haben sogar noch ein gutes Gefühl, einen kleinen Teil zum Umweltschutz mit beigetragen zu haben. Fein säuberlich stellen wir unsere alten Geräte hinein und manch einer möchte am liebsten das ein oder andere Teil gleich wieder mit nach Hause nehmen. Aber so schön manche dieser Geräte äußerlich noch aussehen mögen. Was in diesen Container landet kann wirklich keiner mehr gebrauchen. Findige Entsorger sehen das ganz anders. Sie sind der Meinung, dass sich unter diesem ganzen Haufen Elektroschrott, doch noch riesiges Potenzial an „IT-Entwicklungshilfe” für die dritte Welt finden ließe. Statt die Geräte auf kostspielige Art als Sondermüll zu entsorgen und den gesetzlichen Vorschriften gerecht zu werden, verschiffen sie den giftigen Schrott unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe z. B. über Belgien nach Ghana. In den Frachtpapieren steht „Gebrauchtware”, so umgeht man trickreich das Exportverbot von Müll in Entwicklungsländer. Immer wieder interessant zu sehen, wozu Intelligenz in Abwesenheit von Weisheit fähig ist!
Ein Wandel zum besseren ist nicht erkennbar. Elektronikfirmen erhöhen die Schlagzahl und bringen ihre Geräte für noch kürzere Lebenszyklen unter die Menschen. Das führt dazu, dass wir weltweit täglich 137 000 Tonnen Elektroschrott produzieren. Da eine fachgerechte Entsorgung des Sondermülls die Hersteller teuer zu stehen kommt, müssen außergewöhnliche Marketingkonzepte und Etikettenschwindel dafür sorgen, dass wie so oft in der Geschichte der Menschheit, die Schwarzen den Schwarzen Peter gesteckt bekommen. Aber damit hat der Wahnsinn noch lange nicht sein Ende erreicht. Jetzt werden Kinder und Jugendliche darauf angesetzt, die schrottreifen Geräte, wie ihre Gesundheit und ihren Lebensraum nach allen Regeln der Kunst zu zerlegen bzw. zu zerstören. Abgesehen haben sie es vor allem auf Kupfer, und Aluminium. Leider stecken die wertvollen Rohstoffe meist in giftigen, PVC-Ummantelungen, sind auf Platinen aufgebracht oder sonst schwer zugänglich. Die einzigen Werkzeuge der Elektroschrottarbeiter sind Hammer, Meißel, Messer und das Feuer. Mit Feuer bekommt man die beste Ausbeute, also wird der giftige Kunststoff verbrannt, der Boden und die Luft verseucht, das Grundwasser vergiftet und das alles für einen absoluten Hungerlohn von zwei Dollar für fünf Kilogramm Kupfer oder Aluminium. Im April diesen Jahres wurde dieser Skandal von Greenpeace aufgedeckt. Seit demmachen die Aktivisten Druck auf die Industrie.
Ihr Ziel ist es,
• dass künftig alle Müllexporte eingestelltwerden
• IT- und Elektronikhersteller langlebigere Produkte herstellen,
• ein kostenloses weltweites Recyclingsystem eingeführt wird
• dass alle giftigen Produkte aus der IT-Produktion verbannt werden und
• dass die Entwicklung von recyclingfähigen Geräten vorangetrieben wird.
Fazit: Die „aus-den-Augen-aus-dem-Sinn- Mentalität” kann in einer globalen Welt einfach nicht geduldet werden. Alles was wir der Umwelt und anderen Völkern antun, richtet sich gegen uns alle. Wir haben nur diesen Planeten, und er hat es verdient besser behandelt zu werden als bisher. Helfen Sie mit. Fordern Sie Elektrogeräte-Hersteller auf, Verantwortung für ihre Geräte zu übernehmen – von der Produktion bis zum Recycling. Die Geräte müssen länger halten, leichter zu reparieren und nachzurüsten sein. Giftige Chemikalien müssen für die Produktion ausgeschlossen werden. Erst wenn sich diese Forderungen nach und nach erfüllen, kann ich wieder guten Gewissens meinen Elektroschrott in die dafür vorgesehenen Container bringen, damit er dort landet, wo er wirklich hingehört, bei den Recycling-Profis!