Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko und was wir daraus lernen können
Thursday, 29. July 2010 -

Seit dem 20. April strömen im Golf von Mexiko täglich ca. 9 Mio. Liter Öl ins Meer. Der Schuldige ist der Mineralölkonzern BP, da er an der Sicherheit gespart hat. Die wahren Ursachen solcher Katastrophen
haben aber mit dem Angebot und vor allem der Nachfrage zu tun. Hier tut Wandel not!

So schrecklich die aktuelle Ölkatastrophe im Golf von Mexiko auch ist, so lehrreich könnte sie für die Zukunft der Menschen und des Planeten sein – möchte man zumindest glauben. Vielleicht ist jetzt endlich für jeden von uns die Zeit gekommen, den Konsum von Erdöl oder Erdölprodukten völlig neu zu überdenken. Ist es noch zeitgemäß, fossile Rohstoffe zu fördern, um sie dann für so unökologische Zwecke wie z. B. fürs Heizen zu verschwenden? Ich denke nein. Mittlerweile gibt es höchst effektive und kostengünstige Alternativen zur Wärmegewinnung wie Sonnenenergie oder Erdwärme. Die gleiche Frage können wir auch im Hinblick auf die Mobilität stellen. Müssen unsere Automobile immer
noch mit Benzin oder Diesel betankt werden? Ich denke nein. Auch hier gibt es bereits praktikable Alternativen. Wenn die riesigen Mineralölkonzerne nur einen Teil ihres Gewinns (oder den Betrag der für die Aufräumarbeiten der Ökokatastrophe aufgebracht werden muss) in die Erforschung und Entwicklung alternativer Antriebstechniken stecken würde, man wäre längst nicht mehr vom Erdöl abhängig.

Natürlich ist an diesem Punkt die Politik gefordert, entsprechende Anreize und Gesetze für eine Umrüstung und ein Umdenken zu schaffen, so wie das z. B. mit dem Erneuerbaren Energie Gesetz (EEG) auf den Weg gebracht wurde. Der größte Druck, der stärkste Impuls für eine Veränderung geht immer noch vom Volk, sprich vom Verbraucher aus. Jeder Einzelne von uns hätte es also in der Hand solche Katastrophen mangels Nachfrage im Keim zu ersticken. Solange wir aber immer nur auf den anderen schauen und uns damit rausreden, dass wir allein sowieso nichts ändern können, nehmen wir freiwillig eine "machtlose"
Haltung ein. Wohin die uns gebracht hat sieht man jetzt: Täglich ergießen sich ca. 9 Mio. Liter Erdöl in den Golf von Mexiko aber jetzt müssen wir machtlos zusehen!

Alle Maßnahmen zur Abdichtung des Bohrlochs sind kläglich gescheitert. Und das Schlimmste daran ist, die Menschheit (und die Ölkonzerne) haben in den letzten 31 Jahren nichts gelernt. Ein Blick zurück in die Geschichte der größten Ölkatastrophen, die Mutter Erde bereits über sich ergehen lassen musste, gleicht einem Déjà-vu. Nahezu gleicher Ort, gleiches Ereignis: die Explosion der Plattform IXTOC1 im Jahre 1979. Damals brauchte man neun Monate das Leck zu schließen. Mehr als 550 Mio. Liter Öl verpesteten das Meer. Im Anbetracht
dieser Tatsachen bin ich fassungslos und zutiefst traurig. Von weisen Politikern hätte man dieses Unglück kein zweites Mal befürchten müssen. Von intelligenten und profitgierigen leider schon. Blinkende Dollar-Zeichen in ihren Augen vernebeln den Blick auf die Schönheit und Zerbrechlichkeit der Natur.

Wenn alles gut läuft, wird das Bohrloch frühestens im August diesen Jahres geschlossen werden. Hunderte Kilometer Küstengebiete werden verseucht sein. Eine der ersten Naturkatastrophen wird in New Orleans, im Mississippi Delta erwartet. Hier verpesten bereits unaufhaltsam riesige zähe Ölteppiche die hochsensible Flora und Fauna. Die aktuelle herrschende Wirbelsturm-
Saison wird ihren Teil dazu beitragen, den Menschen in dieser Region ein weiteres Mal tiefes Leid und schweren Verlust zuzufügen. Wie lange sollen wir dabei noch zusehen und es durch unser (Nicht-)Handeln indirekt unterstützen?

 

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