Die geheimnisvolle Macht des Mondes – Wahrheit oder Mythos?
Tuesday, 29. December 2009 -

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Der Mond übt seit jeher eine Faszination auf den Menschen aus und beflügelt seine Fantasie. Es ist nachweislich, dass die Gezeiten Ebbe und Flut durch die Anziehung des Mondes und der Erde entstehen und dass der Mond den Lebensrhythmus von etwa 600 Arten beeinflusst.
Ebenso ist bestätigt, dass der 385.000 Kilometer von der Erde entfernte Himmelskörper verhindert, dass die Erde von der Schwerkraft der Nachbarplaneten beeinflusst wird und ins Schwanken gerät. Nur dadurch können sich stabile Klimazonen entwickeln und Jahreszeiten entstehen. Über die Frage nach einer Macht auf den Menschen streiten sich allerdings die Gemüter. Während laut Studien 92 Prozent der deutschen Bevölkerung an eine geheimnisvolle Kraft des Mondes glauben, sind Wissenschaftler vehement darum bemüht, dieses zu widerlegen.

Jahrtausend alter Glaube
Bereits in der Antike wird dem leuchtend bleichen Nachtgestirn eine besondere Bedeutung zuteil. In der griechischen und römischen Mythologie steht er oft für Fruchtbarkeit und das Weibliche. Über Jahrtausende hinweg richtete sich auch die Landwirtschaft bei der Saat und Ernte nach den Mondzyklen. Der Kalender der Muslime ist ein reiner Mondkalender und auch im Christentum spielt der Mond eine Rolle: Ostern fällt jedes Jahr auf den ersten Frühlingsvollmond. In asiatischen Kulturen richten sich viele Feste nach dem Erdtrabanten. So wird beispielsweise die Geburt Buddhas bei Vollmond gefeiert.
Findet der Jahrtausend alte Glaube an die Macht des Mondes eine Begründung oder entlarvt er sich als Mythos?

Schlafprobleme bei Vollmond
Befürworter der lunaren Beeinflussung begründen eine solche meistens damit, dass bei dem Menschen, der ja zu zwei Drittel aus Wasser besteht, durch den Mond eine Art Miniebbe- oder flut im Körper entstehe, die für Stimmungsschwankungen verantwortlich sei.
In erster Linie heißt es, der Einfluss des Mondes mache sich bezüglich des Schlafes bemerkbar. Laut einer Studie des renommierten Allensbacher Instituts erklärt die Hälfte aller Deutschen, bei Vollmond regelmäßig schlecht zu schlafen. Ärzte und Wissenschaftler sind sich bisher uneinig, wie sich dieses Phänomen erklären lässt. Der Schlafforscher Jürgen Zulley betont, der Mond könne – wenn überhaupt – nur auf den Schlaf einwirken, wenn er direkt ins Schlafzimmerfenster scheine. Der Soziologe Edgar Wunder, welcher etwa 700 Studien über den Erdtrabanten ausgewertet und auch eigene durchgeführt hat, macht das helle Licht für die Schlafprobleme verantwortlich. Wie auch das Licht einer Straßenlaterne hemme das des Vollmonds das Schlafhormon Melatonin. Daraus können Schlafprobleme entstehen.
Weiterhin suchen Mondgläubige nach einer Bestätigung in der Annahme, dass bei Vollmondnächten die Geburtenrate zunimmt. Doch auch hier fehlen sowohl für Pro- als auch für Kontrastimmen überzeugende Belege. Während Einige diese Tatsache auf den Mond zurückführen, behaupten Andere, die Statistiken ließen eine derartige Schlussfolgerung nicht zu.

Verstärkte Gewalttaten in Vollmondnächten
Weitere Theorien besagen, dass Menschen in Vollmondnächten stärker zu Gewalttaten neigen. Zu diesem Fazit gelangte unter anderem eine von den Polizeichefs im südenglischen Seebad Brighton durchgeführte Untersuchung. Vom April 2006 bis März 2007 verglichen sie die Kriminalitätsrate mit den Kurven der Mondzyklen. Sie fanden heraus, dass es in Pubs und Clubs verstärkt zu Problemen kam und die Gewaltverbrechen in diesen Nächten anstiegen. Forscher der polnischen Akademie der Wissenschaften gelangten im Frühjahr 2007 zu einem ähnlichen Ergebnis: Sie verglichen mehr als 16.000 Blutalkoholtests der Polizei mit 50 Mondzyklen und fanden heraus, dass zwei Tage vor Vollmond durchschnittlich 175 Promillesünder angehalten wurden und die Zahl um den Neumond herum auf 129 sank.

Leben nach dem Mondkalender
Der Glaube an die Kraft des Mondes findet seine größte Ausprägung mit dem Mondkalender. Dieser rät dazu, sein Leben nach den Mondphasen auszurichten. Der Mond durchwandert im Laufe des Monats alle zwölf Tierkreiszeichen und jedes Tierkreiszeichen steht dem Kalender zufolge für eine besondere „Tat“. So kann der Mondkalender vorhersagen, welcher Tag sich besonders gut zur Ernte oder zum Frisörbesuch eignet oder welcher Zeitpunkt günstig für eine neue Partnersuche ist. Er besagt unter anderem auch, dass im Tierkreiszeichen des Steinbocks gefälltes Holz stabiles Baumaterial bietet. Vollmond sei gut geeignet, Dinge abzuschließen und Pläne durchzusetzen, Neumond hingegen günstig, um Neues zu planen.

Der Mondkalender wird insbesondere bei Abnehmkuren zu Rate gezogen, denn es heißt, an Neumondtagen und bei abnehmendem Mond werde der Prozess des Gewichtsverlustes ganz gleich bei welcher Art von Diät effektiv beschleunigt. Der Mondkalender berät in allen erdenklichen Dingen des Alltags. Die Lebensweise soll laut diesem den kosmischen Gesetzen angepasst und die körpereigenen Kräfte dadurch auf beste Art und Weise unterstützt werden.
Ärzte und Wissenschaftler sind darum bemüht, diesen Glauben zunichte zu machen. Das Fazit des Soziologen Wunder nach der Untersuchung von etwa 700 Mondstudien lautet, dass keinerlei Einfluss auf den Menschen festgestellt werden kann. Der Dermatologe Josef Smolle von der Universitätsklinik Graz konnte bei 14.000 Krankenakten feststellen, dass der Mond keine Kraft auf den Heilungsprozess ausübt und auch eine Untersuchung in Österreich, die 500.000 Arbeitsunfälle begutachtete, kam zu der Schlussfolgerung, dass kein Zusammenhang zwischen Mondphase und Unfallhäufigkeit festzustellen ist. Der Behauptung, dass bei Vollmond die Gefahr zu Komplikationen bei Operationen steige, widersprechen Ärzte vehement.

Natürliche Ordnung des Kosmos
Wie erklärt es sich nun, dass fast die gesamte deutsche Bevölkerung von einem Einfluss des Mondes überzeugt ist, wenngleich jegliche wissenschaftlichen Belege fehlen? Psychologen begründen das Phänomen damit, dass es für den Menschen eine überlebenswichtige Strategie sei, Zusammenhänge und Regelmäßigkeiten zu erkennen. Der Mensch sehnt sich nach Ordnung und Vorhersehbarkeit und daher verknüpfe er manchmal Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Er fühlt sich durch den Glauben an den Mond an eine natürliche Ordnung des Kosmos verbunden und vor allem bei Menschen, die Halt benötigen, könne dies eine religiöse Dimension annehmen, erklärt der Soziologe Wunder.

Die Gemüter werden sich nicht einig und es ist anzunehmen, dass sie auch in nahe liegender Zukunft keinen gemeinsamen Nenner finden. Nun wäre eine Welt ohne Glauben doch sehr düster. Ihr mit dem hell leuchtenden Nachtgestirn etwas Licht zu schenken, kann daher dem Einen Freude bereiten, und dies, ohne dem Anderen in irgendeiner Weise zu schaden.

 

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