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„Wenn Gott gewollt hätte, dass Menschen fliegen, hätte er ihnen Flügel verliehen“, besagt ein frommer Spruch. Ein Satz, den der Mensch noch nie gerne hörte. Seit Urzeiten riskierte er für den Traum vom Fliegen so manche Gefahren. Heute ist Fliegen längst Wirklichkeit geworden. Dennoch geht der Mensch neue gesundheitliche Risiken ein, die ihm häufig nicht bewusst sind.
Kosmische Strahlungen
In der Höhe ist der Mensch im Flugzeug den sogenannten kosmischen Strahlungen ausgesetzt. Das Weltall ist eine natürliche Strahlungsquelle. Kosmische Strahlungen bestehen aus energiereichen atomaren Teilchen und Röntgenstrahlung. Der größte Teil wird von der Erdatmosphäre geschützt, doch in großen Höhen vermag diese, die Strahlungen nicht mehr effektiv abzuschirmen.
Wer ab und zu in Urlaub fliegt, dürfte davon keinen Schaden tragen, behaupten Wissenschaftler. Für Flugbegleiter, Piloten und Vielflieger könnte die Situation jedoch anders aussehen. Einer Berechnung der Technischen Bundesanstalt zufolge bekommen diese ein Viertel mehr Strahlenbelastung ab als der Durchschnittsbürger. Es wurde festgestellt, dass bei etwa 1000 Flugstunden im Jahr die gesamte Strahlenbelastung höher ist als die durchschnittliche Belastung des Wartungspersonals in einem Kernkraftwerk. Aus diesem Grund haben deutsche Fluglinien festgelegt, dass die Zahl von 1000 Flugstunden nie erreicht wird. Bei der Lufthansa werden beispielsweise maximal 700 bis 800 reine Flugstunden jährlich absolviert.
Strahlenbelastung beim Fliegen
Laut Berechnungen der amerikanischen Luftsicherheitsbehörde entsprechen die Strahlenbelastungen auf einem Flug von Frankfurt nach New York beispielsweise zwei Röntgenbild-Aufnahmen des Brustkorbs. Das zusätzliche Risiko an Krebs oder Leukämie zu erkranken bliebe allerdings kleiner als ein Prozent, sagen Forscher. Vorsicht wird jedoch während der Schwangerschaft geboten. Das Ungeborene ist während der Organbildung besonders strahlensensibel und spätere Missbildungen sind nicht völlig auszuschließen. Aus diesem Grund setzen Fluglinien ihr Personal in dieser Zeit in der Regel nur am Boden ein. Auch Vielflieger sollten in dieser Zeit nach Möglichkeit auf häufiges Fliegen verzichten.
Gesundheitliche Risiken durch Körperscanner?
Nun sind vor allem Flugbegleiter, Piloten und Vielflieger von einer neuen Debatte betroffen, die für sie eine zusätzliche Strahlenbelastung bedeuten könnte. Nach dem vereitelten Anschlag des Terrornetzwerkes al-Quaida durch den Nigerianers Umar Faruk Abdulmuttallab am ersten Weihnachtsfeiertag, ist die Diskussion über die Einführung von Körperscannern an Flughäfen wieder in aller Munde.
Während sich Innenminister de Maizière nun befürwortend für den Einsatz von Körperscannern an deutschen Flughäfen äußerte, lassen Datenschützer und Justizministerium weiterhin gegnerische Stimmen verlautbaren. Die Scanner sind zum Einen aufgrund der Strahlenbelastung umstritten, zum Anderen aufgrund des Eingriffes in die Intimsphäre des Menschen. Die Passagiere erscheinen auf den Monitoren der Kontrolleure wie nackt.
Bei dem Abtasten des Gerätes dringen die Strahlungen durch die Kleidung und werden vom Körper reflektiert. Der Vorsitzende der Strahlenschutzkommission, Professor Rolf Michel, warnte vor den gesundheitlichen Risiken der Geräte. Laut dem Strahlenschutzexperten der Bundesregierung, könne die Röntgenstrahlung die Gefahr von Krebs- und Leukämieerkrankungen erhöhen. Eine einzelne Durchleuchtung sei nicht gefährlich, doch für Vielflieger und Menschen, die häufiger gescannt werden steige das Risiko beachtlich. Aus diesem Grund möchten die Strahlenschutzkommission und das Bundesumweltministerium den Einsatz des Scanners nicht akzeptieren.
Laut De Maizière werden nun zurzeit neue Geräte entwickelt, welche die Passagiere unklarer darstellen, gefährliche Gegenstände jedoch erkennen können. Der Innenminister betonte in den Medien zudem, dass nur leistungsfähige und gesundheitlich unbedenkliche Geräte eingeführt werden dürften. In Deutschland sollen in diesem Jahr nach Angaben des Innenministeriums erste Geräte vorgestellt werden, die solche Bedingungen erfüllen.
Gefahren durch Fluglärm
Nicht nur am Boden und in der Luft bringt der Traum vom Fliegen gesundheitliche Gefahren mit sich: Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete, fand eine Studie des Bremer Mediziners und Epidemiologen Eberhard Greiser Ende vergangenen Jahres heraus, dass Flughäfenanwohner einem stärkeren Risiko von Schlaganfällen oder Herz-Kreislauf-Krankheiten ausgesetzt sind. In der im Auftrag des Bundesumweltamtes erstellten Untersuchung wertete Greiser Krankenkassendaten von mehr als einer Million gesetzlich Versicherten aus der Umgebung des Flughafens Köln/Bonn aus. Er stellte fest, dass durch den Fluglärm ein erhöhtes Risiko für diese Erkrankungen besteht. Frauen sind zudem einem zusätzlichen Risiko von Brustkrebs und Leukämie ausgesetzt. Laut Greiser könne ein gesetzlich geregelter Lärmschutz die Gefahren beheben.
Es mag nicht leicht fallen und ist gewiss keineswegs stressfrei, doch ein solches Problem lässt sich auch durch einen Wohnungs- oder Hauswechsel beheben. Anders sieht es für Vielflieger, Flugbegleiter und Piloten aus, die beruflich von Flugzeugen abhängig sind. Für sie ist es zumindest ein wenig beruhigend, dass Forscher sich bisher darin einig sind, dass die Strahlungen ein kaum erhöhtes Risiko für Krebs- und Leukämieerkrankungen verursachen. Dennoch kann es Vielfliegern keineswegs schaden, nach Möglichkeit auf andere Reisemöglichkeiten umzusteigen und Flugbegleiter und Piloten sollten auf die Anzahl ihrer Flugstunden achten.
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