„Pimp my Food“ – Aufgepeppte Lebensmittel gefährden die Gesundheit
Wednesday, 23. December 2009 -

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Bei einem solch frischen Himbeergeschmack kann das Aroma nur aus echten Beeren stammen, glaubt der Konsument. Doch in Wirklichkeit wurde das „Natürliche Aroma“ aus Zedernholzöl oder gentechnisch veränderten Bakterien gewonnen. Über solche Appetit verderbenden Wahrheiten klärt der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer in seinem Buch „Food-Design – Panschen erlaubt“ auf.

Fachbücher verzeichnen heute über 7500 Präparate und Zusätze. Davon sind rund 350 nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums in der Europäischen Union für Lebensmittel zugelassen. Etwa 50 Prozent aller Lebensmittel werden mit Zusatzstoffen versetzt. Wozu braucht unsere heutige Gesellschaft diese enorme Vielzahl Emulgatoren und Stabilisatoren, Hydrocolloide, Schmelzsalze, Geschmacksverstärker und Aromatisierungshilfen? Und noch viel gewichtiger ist die Frage: wie reagiert der menschliche Organismus darauf?

Zusatzstoffe generell verboten
Erste Zweifel an einem unbedenklichen Konsum kommen bei dem generellen Verbot der Zusatzstoffe auf. Verbotenes bringt im Allgemeinen nichts Gutes mit sich. Dennoch ermöglichen den Zusatzstoffen einige Ausnahmeregeln die Überflutung des Lebensmittelmarktes. Sie sind dann erlaubt, wenn sie technologisch notwendig sind, um beispielsweise das Haltbarkeitsdatum zu verlängern oder Geschmack und Aussehen zu verbessern. Sie werden genehmigt, wenn sie den Konsumenten nicht täuschen und gesundheitlich unbedenklich sind. Dann erhalten die Zusatzstoffe eine E-Nummer, wobei das E für „edible“ = essbar steht.

Aufgepeppte Lebensmittel
Wissenschaftliche Studien ergeben allerdings nicht selten, dass die E-Stoffe zu Unrecht genehmigt wurden und oft nur auf Kosten der Gesundheit „essbar“ sind. Während Einige in der Natur vorhanden sind und unbedenklich verzehrt werden können, lauern hinter anderen E-Ettiketten gesundheitliche Gefahren. Die Produkte werden aufgepeppt, farblich und geschmacklich verändert. „Pimp my Food“ könnte das Motto der Industrien lauten, die sich darin übertrumpfen, wer am schnellsten auf dem Markt ist, welches Essen am verführerischsten aussieht, den intensivsten Geschmack hat und am längsten haltbar ist.
Zu den am meisten verbreitetsten Zusatzstoffen gehören der künstliche Süßstoff Aspartam und der Geschmacksverstärker Glutamat.

„Multipotentiales Karzigon“ Aspartam
In den Jahren 2005 und 2006 schockierte eine von der Europäischen Ramazzini-Stiftung für Onkologie und Umweltwissenschaften (ERF) durchgeführte Karzinogenitätsstudie, mit dem Fazit, Aspartam sei ein „multipotenzielles Karzigon“. ERF erforschte die Auswirkung des seit 20 Jahren weltweit verbreiteten Süßungsmittels an Ratten. Bei diesen verursachte eine hohe Zufuhr von Aspartam unterschiedliche Krebserkrankungen.

Eine schnelle Reaktion der EU-Kommission war unumgänglich. Sie beauftragte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die Studie nach ihrem Wahrheitsgehalt zu beurteilen. EFSA erklärte schließlich, das Entstehen der Krankheiten bei den Versuchsobjekten habe nichts mit dem zugeführten Lebensmittelzusatzstoff zu tun, sondern mit der organischen Beschaffenheit des Körperbaus der Ratten.

Doch weitere Studien diskreditieren den künstlichen Süßstoff. So machte Ende 2008 beispielsweise eine im European Journal of Clinical Nutrition von einem südafrikanischen Wissenschaftler der Universität von Pretoria veröffentlichte Untersuchung eine hohe Zufuhr von Aspartam dafür verantwortlich, dass Gehirnzellen degeneriert und verschiedene andere mentale Störungen, unter anderem ADHS und Lernschwierigkeiten, bewirkt werden. Immer häufiger klagen Verbraucher zudem über immense Kopfschmerzen und Schlafstörungen.
Die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA sowie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit beharren auf ihrem Standpunkt, Aspartam habe keine Gesundheitsgefährdenden Auswirkungen.

Geschmacksverstärker mit bedenklicher Wirkung
Eine ebenso heftige Debatte löst der Geschmacksverstärker Glutamat aus. Dessen Nebenwirkung ist unter dem „China-Restaurant-Syndrom“ bekannt. In China wird mit Glutamat so großzügig gewürzt wie in Deutschland mit Salz. Glutamat wird mithilfe von Bakterien synthetisch hergestellt. Pro Jahr werden weltweit etwa 1,5 Millionen Tonnen des Geschmacksverstärkers produziert. Viele Pizzen, Knabbereien, Suppen, Wurst und andere Produkte erhalten mit Glutamat ihren fleischig-würzigen Geschmack.

Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) behauptet, Glutamat verursache keinerlei Gesundheitsgefährdenden Nebenwirkungen, klagen empfindliche Menschen nach dem Konsum über Schläfendruck, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Steifheit im Nacken, Übelkeit und teilweise sogar über einen anaphylaktischen Schock. Der Kinderarzt und Buchautor Michael Germanussen bezeichnet Glutamat zudem als „Gefräßigmacher“. Es mache süchtig und führe zu Übergewicht und Fettleibigkeit. Sogar die DEG räumt ein, dass ein Zusammenhang zwischen dem Geschmacksverstärker und Übergewicht bestehen könnte.

Vergaukelung des Verbrauchers
Die Ausnahmeregeln des generellen Verbots der Zusatzstoffe werden durch wissenschaftliche Studien daher äußerst fragwürdig. Scheinbar dienen sie der Vergaukelung des Verbrauchers, welcher sich nicht mehr sicher sein kann, ob sein Käse wirklich aus Milch hergestellt wurde, wie viel Fleisch in seiner Wurst enthalten ist oder woraus die Früchte in seinem Joghurt bestehen.
Da der überwiegenden Bevölkerung die Zeit oder Lust zum selber Kochen fehlt, ist beim Einkauf höchste Vorsicht geboten. Es sind Listen erhältlich, die über die unterschiedlichen E-Stoffe informieren. Mit diesen mehr Zeit in den Einkauf oder mehr Geld in Bioprodukte zu investieren, wird der Körper dankbar zu schätzen wissen.


ipp:

In dem Buch „Echt künstlich“ klärt der Journalist Hans-Ulrich Grimm über die Gefahren von Zusatzstoffen in Lebensmitteln auf und erläutert dem Leser, wie sich dieser selbst schützen kann.

Das Buch können Sie in unserem EU-Shop bestellen.

 

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