„Globesity“ – Die „Seuche“ des 21. Jahrhunderts
Monday, 11. January 2010 -

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Gesundheitssysteme brechen an der „Seuche“ des 21. Jahrhunderts zusammen. Mit solchen dramatischen Prophezeiungen warnte die Weltgesundheitsorganisation vor der Ausbreitung des Problems Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit). Betroffen sind nicht nur reiche Industrieländer. Die Krankheit ist eine globale Angelegenheit und wird von der WHO daher als „Globesity“ bezeichnet.

Fettsucht – Eine neue Epidemie?
Laut Statistiken gelten weltweit 1,7 Milliarden Menschen als übergewichtig, darunter 312 Millionen als adipös. Sollte die Entwicklung weiter in diese Richtung voranschreiten, wären in wenigen Jahren ein Drittel der Bevölkerung in den Industriestaaten übergewichtig. Außer den USA sind auch Großstädte Chinas, der Mittlere Osten, Australien und europäische Länder stark betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation gibt zu Bedenken, dass Fettsucht zu einer Epidemie des 21. Jahrhunderts werden könnte.

Einer internationalen Studie aus dem Jahr 2007 zufolge ist Deutschland unter den europäischen Ländern dasjenige mit der am meisten übergewichtigen Bevölkerung. In der 2008 veröffentlichten „Nationale Verzehrstudie II“ zum Essverhalten der deutschen Bevölkerung wurde zudem festgestellt, dass 80 Prozent der Deutschen täglich mehr Fett zu sich nehmen als von Ärzten und Wissenschaftler vorgegeben wird. Die empfohlene Ballaststoffmenge von 30 Gramm wird hingegen von drei Viertel der Bevölkerung unterschritten. Die Folge ist, dass 75 Prozent der Männer und 59 Prozent der Frauen in Deutschland als übergewichtig oder fettleibig gelten.

Immense Kosten
Unter den negativen Auswirkungen der Fettsucht haben nicht nur Übergewichtige und Fettleibige selbst zu leiden, sondern auch deren Angehörige und Freunde, die sich um deren Gesundheit sorgen sowie der Staat aufgrund immenser zusätzlicher Kosten.

Zunächst resultieren aus Übergewicht und Fettleibigkeit diverse Zivilisationskrankheiten: Diabetes, Herzinfarkte, Krebs, Arthrosen, Stoffwechselerkrankungen, Atemprobleme und demzufolge Schlafstörungen sowie Unfruchtbarkeit und auch Demenz können entstehen. Außerdem wird die Lebensdurchschnittserwartung gegebenenfalls um einige Jahre eingeschränkt.

Kopf zerbrechen bereitet die „Globesity“ auch dem Staat. Allein in Deutschland werden von den Ausgaben des Gesundheitssystems etwa 10 bis 20 Milliarden Euro aufgrund von Übergewicht und Fettleibigkeit investiert. Etwa 2-8 Prozent der Gesundheitskosten weltweit und 10-13 Prozent der Todesfälle werden durch Adipositas verursacht. Extrem übergewichtige Patienten sind auf spezielle medizinische Versorgung, Transport und Behandlung in der Klinik angewiesen. Neben den Behandlungs- und Medikamentenkosten werden beispielsweise Gelder für Krankenwagen mit stabilerer Hebebühne, strapazierfähigere Krankenbetten, Tragen, Rollstühle und Untersuchungswerkzeuge benötigt. Häufig ist ein zusätzlicher Pflegeaufwand nötig, den die Krankenkassen nicht immer automatisch übernehmen. Nicht selten müssen die Krankenhäuser mit diesen über die Zahlung der anfallenden Mehrkosten verhandeln.

Nicht nur während der Behandlung gibt es Grund zur Sorge, sondern auch nach dem Ableben der Patienten. Bei Autopsien und Bestattungen muss in solchen Fällen gelegentlich zu äußerst unwürdigen Methoden gegriffen werden. So kann es vorkommen, dass ein Pathologe für die Durchführung einer Autopsie auf eine Leiter steigen muss. In schlimmsten Fällen wie zum Beispiel bei dem Tod eines 330 Kilogramm schweren 29-Jährigen Briten im vergangenen Jahr erfolgt die Bestattung mit einem Bagger.

WHO fordert zum Handeln auf
Die Weltgesundheitsorganisation fordert Politiker daher auf, umgehend zu handeln. Sie verlangt zunächst die Einschränkung der Werbung von fetter und zuckerhaltiger Ernährung. Der Mensch soll zudem zu mehr Bewegung angeregt werden. Denn hier liegt die Lösung für das Problem: Bereits kleine Spaziergänge, ein wenig Treppensteigen und der Verzicht auf den Imbiss zwischendurch könnten laut Experten die „Globesity“ enorm einschränken. Mediziner in den USA haben herausgefunden, dass 70 Prozent der zusätzlichen Pfunde der Übergewichtigen mit einem Defizit an alltäglicher Belastung einhergehen. Nur noch 13 Prozent der Bundesbürger bewegen sich ausreichend. Da Forscher schätzen, dass 70 Prozent des Essverhaltens genetisch festgelegt ist, raten Therapeuten zu einer allmählichen und dauerhaften Veränderung der Lebensverhältnisse, um die „Seuche“ zu besiegen. Ärzte empfehlen ihren Patienten Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapien. Ab einem Body-Mass-Index von 27 (der eines Normalgewichtigen liegt bei 20-25 für Männer bzw. 19-24 für Frauen) werden auch Medikamente eingesetzt. Generell ist der Einsatz von Medikamenten allerdings nur vorgesehen, wenn alle anderen Therapieansätze nicht erfolgreich sind.

Die Hilfe von Ärzten, Diätassistenten und Ernährungsberatern anzunehmen sowie nicht zuletzt natürlich ein starker eigener Wille könnten eine erste gute Voraussetzung für die Bekämpfung der „Globesity“ sein.

 

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