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Der Deutsche gilt im Ausland nicht nur als diszipliniert und pünktlich, sondern auch als umweltbewusst. Eine Studie, die das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt (UBA) vergangenes Jahr in Auftrag gegeben haben, stärkt dieses Image: für 91 Prozent der deutschen Bevölkerung ist Umweltschutz ein wichtiges Anliegen.
Doch zu einem Umweltbewusstsein gehört neben der Wahrnehmung der Situation auch das Umweltverhalten des Menschen. So definierte Ende der Siebziger Jahre der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen Umweltbewusstsein als „Einsichten in die Gefährdungen der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen durch diesen selbst“ und als „Bereitschaft zur Abhilfe“.
Egoismus und Bequemlichkeit beeinträchtigen Umweltbewusstsein
In der Studie stimmten 84 Prozent der Befragten zu, dass mit den Ressourcen sparsamer umgegangen werden müsse. Die Installation eines energiesparenden Heißwassersystems sowie Solaranlagen und Energiesparlampen tragen dazu bei, den Verbrauch von Elektrizität im Haushalt erheblich zu reduzieren. Dennoch ist Ökostrom Schätzungen zufolge bei nur etwa fünf Prozent der deutschen Haushalte Gebrauch. Ähnlich verhält es sich bei der Wahl zwischen einem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln: Die ansteigenden Zahlen von Neuzulassungen veranschaulichen, dass Egoismus und Bequemlichkeit das Umweltbewusstsein häufig an seine Grenzen geraten lassen.
Umweltschutz und Gesundheit
Über 90 Prozent der Befragten vertreten die Ansicht, dass der Erhalt natürlicher Lebensräume sowohl für die Natur, als auch für den Menschen lebenswichtig ist. Auch hier spielen eigennützige Gedanken eine Rolle: Umweltschutz und Gesundheit stehen in einem engen Zusammenhang. Dies belegt die weitverbreitete und beliebte Homöopathie. Zudem ist die Natur ein Ort, der zur Erholung aufgesucht wird. So konnten die Psychologen Stephen und Rachel Kaplan von der Akademie für natürliche Ressourcen und Umwelt an der Universität von Michigan untersuchen, dass die Auseinandersetzung der eigenen Umgebung auf den Menschen zufriedenstellend wirkt. In gleicher Weise verhält es sich beim Umgang mit Tieren und Pflanzen. Massentierhaltung, Pelzmäntel, neue Bauten oder achtlos weggeworfener Müll demonstrieren allerdings, dass die Liebe zur Natur ein höchst ambivalentes Verhältnis ist.
Seit Mitte der achtziger Jahre gehört Umweltschutz zu einem der bedeutsamsten politischen Problemen. Dass sich die deutsche Gesellschaft mehrheitlich des Themas bewusst ist und sich Gedanken über Konsequenzen macht, ist eine Grundlage für Veränderungen. Der nächste Schritt wäre eine Reflexion der Sinneseindrücke, aus der eine aktive Umstrukturierung im Alltag resultiert. Erst dann wird das Bild einer umweltbewussten Gesellschaft berechtigt.
ipp:
In dem zum gleichnamigen Film erschienenen Buch „We feed the world“ beschäftigt sich Filmemacher Erwin Wagenhofer mit Überernährung, Überproduktion und Überbevölkerung. An den unterschiedlichsten Orten der Welt deckt Wagenhofer die Hintergünde zu EU-Subventionen, Nahrungsmittelskandalen, Dürre und Hunger auf und rückt dabei die Frage nach der Rolle des Menschen ins Zentrum, als Produzent, als Verbraucher, als Geschädigter.
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